heather sheehan
The English Text is followed by the German Text

Visitors and other beings

Anyone entering the studio or an exhibition from Heather Sheehan must be prepared for an encounter of another kind. We are not confronted here with works of art in the classical sense, neither paintings nor formal sculpture. Here, we meet the “visitors”, fuzzy, and at the same time well-formed, beings of all sizes, whom the artist gently refers to as "friends". Their origin remains a mystery, it is unimaginable to think that these beings were created in an artist’s workshop. Like visitors from some other place, another world, these beings appear to have an origin of their very own, their own universe. When encountering them for the first time, they seem to be fixed in a contemplative gaze, yet somehow we do not trust this silence. We suspect, we know that while these beings stand rigidly before us, they are fully present, perceiving with all their senses, their surroundings and those looking at them. Now and then, they seem to be looking right at us, at least from the corners of their eyes. Beneath hanging lids with polar blue eyes of unexplainable depth, they gaze. If we look away even for a moment, we can be sure that they will take the chance to change position without being noticed, for greater comfort or to secure themselves a better view. This can be irritating, but needn’t be the cause of unease. Altogether, these visitors and other beings appear quite sweet-tempered. At times they may seem somewhat sullen, at other times amused, and then with a quiet smile they retreat into themselves once again. No doubt about it, these are not unpleasant spirits. They are entirely benevolent beings, reflecting the full range of emotions and experiences, even those of our own. It is easy to fall into silent dialogue with them. They remind us of familiar faces, of a great-grandfather or an old lady, of a friendly walrus or a child from the neighborhood. And yet, in spite of apparent familiarity, they remain a little strange, different than everything else and everyone we have met so far. These are “visitors and other beings” in vastly different sizes. Some have grown nearly ten feet tall. Others, who have obviously just been born, we might wish to hold in the hollow of our hands, to protect and caress them. Perhaps, it is the materiality of these “soft sculptures” that make them touch us in kind. Perhaps also, it is their mute eloquence, one that we can not help but notice. Encountering these beings leaves the feeling that there may in fact be other life forms out there, outside our solar system. If they are like these “visitors”, then we would be glad to meet them. Imagine!

Gundula Caspary, Ph.D.
Museum of the City of Siegburg, Germany

Martin Gesing, Ph.D.
Museum of the City of Beckum, Germany
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Visitors and other beings

Wer das Atelier oder eine Ausstellung von Heather Sheehan betritt, muß sich auf eine Begegnung der besonderen Art gefasst machen. Denn hier trifft man nicht auf Kunstwerke im klassischen Sinne, nicht auf Gemälde oder herkömmliche Skulpturen. Hier begegnet man den „visitors“, plüschigen und zugleich etwas förmlichen Wesen unterschiedlichster Größen, die die Künstlerin auch zärtlich „friends“ nennt. Woher diese Wesen kommen, bleibt schleierhaft. Denn dass sie in einer künstlerischen Werkstatt entstanden sein könnten, will man beim besten Willen nicht glauben. Diese Wesen scheinen einen eigenen Ursprung zu haben, wie Besucher aus einem anderen Raum, einer anderen Welt, einem eigenen Universum. Sobald man ihnen begegnet, scheinen sie in eine kontemplative Starre zu verfallen, aber man mag der Stille nicht trauen. Man ahnt, man weiß, dass diese Wesen mit allen ihren Sinnen gegenwärtig sind, ihre Umgebung und ihr Gegenüber wahrnehmen, wenngleich sie ein wenig wie eingefroren wirken. Bisweilen scheinen sie einen anzuschauen, wenigstens aus dem Augenwinkel. Aus hängenden Lidern und den unergründlichen Tiefen ihrer polarblauen Augen. Wenn man nur kurz den Blick von ihnen wendet, kann man sicher sein, dass sie diese Gelegenheit nutzen, sich unmerklich in eine andere Position zu bringen, in eine bequemere, oder in eine, die ihnen den Überblick sichert. Das irritiert, muß einem aber kein Unbehagen bereiten. Überhaupt, diese Besucher oder anderen Wesen machen eigentlich einen recht gutmütigen Eindruck. Bisweilen etwas mürrisch, manchmal amüsiert, dann wieder mit einem stillen Lächeln in sich gekehrt. Zweifellos sind es keine unangenehmen Zeitgenossen, sie sind durchaus wohlwollend und spiegeln die ganze Bandbreite an Emotionen und Erfahrungen, die ihnen auch ihr Gegenüber entgegenbringt. Gerne tritt man mit diesen Wesen in einen stimmlosen Dialog, erinnern sie doch an bekannte Gesichter, an das eines Urgroßvaters oder einer alten Dame, an ein gemütliches Walroß oder ein Kind aus der Nachbarschaft. Und dennoch bleiben sie, bei aller augenscheinlichen Vertrautheit, ein wenig fremd, anders eben als alles und jeder, den man bisher so kennen gelernt hat. Es gibt „visitors and other beings“ wie gesagt in ganz unterschiedlichen Größen. Manche sind bis zu zwei Meter hoch gewachsen, andere, offenbar gerade frisch geboren, mag man in die hohle Hand nehmen, mag sie schützen und liebkosen. Vielleicht liegt es an der Stofflichkeit der „soft sculptures“, dass sie einen so menschlich anrühren. Vielleicht liegt es aber auch an ihrer stummen Beredtheit, an der man nicht vorbei kommt. Die Begegnung mit diesen Wesen hinterlässt das Gefühl, dass es in der Tat ein anderes Leben gibt, da draußen, jenseits unseres Sonnensystems. Wenn es so ist wie die „visitors“, begegnen wir ihm gerne. Welch erregende Vorstellung!

Dr. Gundula Caspary
Stadtmuseum Siegburg

Dr. Martin Gesing
Stadtmuseum Beckum